Hummel

Ferdi

 

 

 

 

 
Es gab keinen Tom mehr. Ich sehnte mich nach einer Katze.... Eine Katze, die nicht die Strasse, sondern die Wohnung als ihr Revier betrachtete. Ein so furchtbares Ende wie Tom sollte keiner meiner Katzen jemals mehr widerfahren!

So entschloss ich mich zum Kauf einer Rassekatze. Fuer mehrere hundert Mark kaufte ich 1970 ein blaues Angora, bzw. Perserkaterchen, das den edlen Namen Xaron von Weelbur trug. Der Kleine war so knuffelig und munzelig und den Namen Xaron fand ich ohnehin himmelschreiend doof, dass ich es sofort in Munzel umbenannte.

Er war sehr verspielt. Er liebte es, in Kisten und Kartons hineinzukriechen. Irgendwann bekam er dann sein 'Munzelhaus' - einen grossen Pappkarton, in den ich eine Tuer schnitt und ein grosses Kissen hineinlegte. Das war fortan seine Bude. Selten, dass er zum schlafen noch zu mir ins Bett kam.

Munzel wuchs heran zu einer ausgesprochenen Schoenheit; einer sehr verschmusten Schoenheit. Als er sehnsuechtig in den Garten blinzelte, liess ich ihn doch nach draussen, hatte aber ein Auge auf ihn. Ausserdem war er Fremden gegenueber sehr mißtrauisch und verliess auch unser Grundstueck nicht.

Mit allergroesstem Genuss verzehrte er Dosenchampignons, sie waren fuer ihn die Delikatesse Nr. 1. Die zweite Schwaeche waren Erdnussflips und seine 3. Schwaeche Trinkhalme. Wenn ein Glas mit einem Trinkhalm auf dem Tisch stand, verlor er jede Hemmung. Selbst bei Menschen, die ihm wildfremd waren, ueberwand er seine Scheu - denn den Trinkhalm musste er haben! Er klaute ihn aus dem Glas, kaempfte mit dem Halm, zerbiss ihn und schleppte den Besiegten anschliessend weg.

Als Andrea-Julia geboren wurde, sollte Munzel sich nicht vernachlaessigt oder gar ueberfluessig fuehlen. 8 Jahre lang war er mein 'Kind' gewesen, und nun lag da ein Konkurrent! Ich nahm ihn auf den Arm, ging mit ihm zum Kinderbettchen und legte ihn vorsichtig zu meiner Kleinen. Ich glaube, von diesem Moment an hatte er nichts mehr gegen Andrea-Julia einzuwenden.

Andrea-Julia wurde groesser. Sie war ein ziemlicher Wildfang und brachte selbstverstaendlich auch Spielkameraden mit. Eines dieser Kinder warf den freundlichen Munzel in das Wasserfass im Garten. Er wurde gluecklicherweise sofort herausgefischt, aber von diesem Moment an hatte er gegen Kinder eine verstaendliche Abneigung. Selbst Andrea-Julia gegenueber war er anfangs sehr misstrauisch, was sich aber wieder legte.

Eines Tages spielten zwei fremde, junge Kaetzchen in unserem Garten; zwei Tigerchen. Eines davon kam ganz keck ueber die Terrasse gelaufen, ging ins Wohnzimmer und liess sich ganz selbstverstaendlich im Sessel nieder.

Wir verhandelten mit den Besitzern dieses Tigerchens, und gegen 1/2 Pfund Kaffee waren sie froh, den putzigen Kleinen loszuwerden. Von nun an gehoerte auch dieses Fellknaeuel zu uns und bekam den Namen Puss, der spaeter von uns in den Namen PussPuss geaendert wurde, weil der ehemals Kleine zu einer doppelten Portion wurde...

Munzel wollte anfangs nichts mit ihm zu tun haben, aber PussPuss war so freundlich und so eine Seele von einem Kater, daß die beiden sich doch anfreundeten. Spaeter kamen noch Maunzer und Susi dazu und wir hatten somit ein froehliches Quartett.

Als Munzel etwa 12 Jahre alt war, bemerkte ich an ihm eine Veraenderung; er roch irgendwie merkwuerdig. Ich fuhr mit ihm zum Tierarzt, der eine Fehlfunktion der Nieren feststellte.

Ab sofort musste Munzel Diaet leben. Damals gab es sowas noch nicht fertig zu kaufen, wie das heute ueblich ist. Also musste ich Munzel eiweissarm ernaehren mit fast voelligem Verzicht auf Fleisch. Ich kochte ihm Haferflocken-, Kartoffel- und Reisbrei und alles moegliche andere, aber immer loeste ich eine halbe Scheibe Corned Beef darin auf. So mochte er sogar dieses Futter.

Er lebte mit seinen kranken Nieren noch 4 weitere Jahre und verabschiedetet sich an einem sonnigen Frühlingstag im Maerz 1986 von uns: in einem fuer Perserkater fast biblischen Alter von fast 16 Jahren ging es ihm nun so schlecht, dass ich den Tierarzt anrief, der zu uns kam und ihm ueber die Regenbogenbruecke half - 10 Tage vor seinem Geburtstag. Er bekam ein ruhiges Platzchen in unserem Garten und wir pflanzen eine Primel fuer ihn.

 

Hier sind Munzel und PussPuss.

Ich glaube, es ist deutlich zu erkennen, dass die beiden sich moegen...

Und hier das einzige Foto von unserem Quartett!

von links:

Munzel

Maunzer

Susi

PussPuss

in friedlicher Eintracht.....

Munzel, mein Knuddelkater... Viele Bilder von ihm findest du in diesem Album.

 

Zu dieser Zeit war es aktuell, Diafilme zu verwenden. Infolge dessen habe ich Dia um Dia gescant. Ich bitte um Verstaendnis, wenn die Bildqualitaet nicht immer berauschend ist; zumal es sich um Dia's handelt, die zum Teil ueber 30 Jahre alt sind.