Hummel

Ferdi

 

 

 

 

Im Winter 1983/84 gingen mein Exmann und ich abends nach draussen, um die Wetterlage abzuchecken.

Im Hof strichen maunzend und offensichtlich hungrig zwei erwachsene, vernachlaessigt wirkende Kater umher. Sobald wir uns ihnen naeherten, wichen sie aus. Ich lief schnell ins Haus und holte eine Handvoll Trockenfutter. Damit lockte ich sie, und irgendwann bekam ich das silber-schwarz gestromte Exemplar zu fassen. Erschrocken und zugleich angenehm beruehrt durch die steichelnde Hand, wollte er nun gar nicht, dass ich damit aufhoere. And den naechsten Abenden waren die beiden wieder da.

Die Temperaturen waren für die Weihnachtszeit ausgespochen ungewoehnlich und mild, plus 15° tagsueber und nachts auch kaum unter 10°. Dann sagte das Wetteramt fuer die Sylvesternacht einen drastischen Temperatursturz auf minus 15° voraus - also innerhalb von 4 Tagen.

Am naechsten, noch milden Vormittag, ging ich aus dem Haus. Vor der Tuer saß der silbergestromte Schmusekater. Ohne Umstaende ging er ins Haus und wollte nicht mehr hinaus. Ich begruesste ihn und nannte ihn Maunzer.

Ich ging davon aus, dass er ein Kater (dieses war klar und deutlich zu sehen) mit Floehen und Wuermern und allem, was dazugehoert, war, brachte ich ihn fuer's erste in meiner Dunkelkammer im Keller unter, die ein kleines Fenster zum Hof hatte. Er bekam einen Schlafkorb, ein Katzenklo und reichlich zu futtern und zu trinken. Er schlug sich den Bauch voll und schlief und schlief.... Da die tierarztpraxis zwischen Weihnachten und Sylvester geschossen hatte, musste er bis zum neuen Jahr warten um Munzel und PussPuss begrüßen zu koennen.

Der Kaelteeinbruch kam uebrigens am naechsten Tag - ich halte jede Wette, dass er das gespuert hat.

Als ich von einkaufen kam, roch ich es schon im Hof: Maunzer war eben ein Kater - und, da er offensichtlich bei uns bleiben wollte, auch die laengste Zeit gewesen... Am gleichen Tag fuhr ich mit ihm zum Tierarzt; Maunzer wurde geimpft und entwurmt (um die Floehe und Zecken hatte ich mich schon gekuemmert). So vorbereitet und noch dazu entkatert kam er mit mir zurueck. Nun konnte er in die Wohnung und ich war gespannt, wie Munzel und PussPuss auf ihn reagieren wuerden. Munzel fauchte sehr aergerlich, das fauchen von PussPuss klang nach Neugier.

Maunzer gewoehnte sich rasch und gut ein und der freundliche PussPuss wurde sein bester Freund. Auch mit Munzel vertrug er sich recht gut.

Maunzer war sehr verschmust, aber er war und blieb ein Jaeger. Waehrend es Munzel und PussPuss nicht nach draussen draengte, musste er auf die Jagd.

Er war de geschmeidigste, kraftvollste Kater den ich hatte: vom schmalen Fensterbrett im Schlafzimmer sprang er mit einem Satz mehr als 4 Meter ueber die Tuerschwele in die Diele!

Maunzer blieb etliche Jahre bei uns, wir hatten viel Freude mit ihm und erst recht PussPuss: die beiden betrieben gegenseitige Fellpflege.

Eines Tages warteten wir vergeblich auf ihn, er kam nicht, als wir ihn riefen. Auch am naechsten Tag warteten wir; kein Maunzer kam...

Ich hatte ein ungutes Gefuehl und machte mich am dritten Tag auf die Suche; suchte ihn in den Wiesen und Feldern. Und ich fand ihn tot im Straßengraben; mehrere hundert Meter vom Haus entfernt...

Es war im Fruehjahr 1987, als wir ihn im Garten begruben. Wir pflanzen für ihn ein besonders schoenes Stiefmuetterchen.