Am Montag, dem 20. August 1999, brachen wir auf, damit sich Stefan einen Traum erfuellen konnte: er wollte mit seinem Rennrad durch die Alpen und diverse Paesse fahren. Ich begleitete ihn mit Auto und Zelt und Kochgeschirr...

Mit dem Fahrradtraeger huckepack fuhren wir zuerst nach Lyon, um dort Fritz, einen Schulfreund von mir, den ich seit mehr als 30 Jahren nicht gesehen hatte, zu besuchen. Es wurde ein Wiedersehen, als haetten wir uns gestern zum letzten Mal getroffen. Wir verbrachten einen sehr netten Abend mit ihm und seiner Frau, uebernachteten dort und starteten am naechsten Tag Richtung Grenoble.

In  Burg d'Oisans ging es nun los nach L'Alp de Huez: die erste Bergfahrt auf Stefan. Von dort aus ging es weiter nach La Grave. Hier uebernachteten wir zum ersten Mal in unserem neuen Zelt, das auch in dieser Nacht ersten Nacht die Taufe erhielt - es regnete.

Den Col du Télégraphe fuhr er mit dem Rad, den Col de Galibier bewaeltigte Stefan auf mein Draengen hin wegen der nassen Strassen und des Nebels mit dem Auto. Oben klarte es auf und er hatte zumindest ein tolle Abfahrt vor sich. Ueber St. Michel fuhren wir nach Landslebourg.

Diese Nacht verbrachten wir im Zelt in Landslebourg - es regnete selbstverstaendlich wieder... Am folgenden Tag hatte er dann den Col de Madeleine und den Col de L'Iseran (2770 m) vor sich.

Danach ging es weiter nach Seez (Uebernachtung im Zelt) und am Folgetag zum Kleinen St. Bernhard.

Es war ein wunderschoener Morgen nach der Nacht in Seez - der ersten Nacht ohne Regen. Stefan hatte nun einiges vor sich: bis zum Kleinen St. Bernhard (2188 m Seehoehe) sollten es 28 km sein - 28 km Steigung. Tief unten im Tal lag Seez, und zaeh arbeitete er sich die Serpentinen hinauf. Ich fuhr immer ein Stueck voraus und wartete, falls er zwischendurch mal ausruhen, eine Kleinigkeit essen oder trinken wollte (eine Trinkflasche hatte er ohnehin immer dabei).

Zuerst ging es recht locker vorwaerts, dann kamen die Serpentinen, und dann gerade, langgezogene Steigungen. Ich glaube, er hat gut 2 Stunden gebraucht, bis er oben war. Es waren die langen Geraden, die so zu schaffen machten.

Die Rast danach hatte er sich redlich verdient!

Nun ging es bergab ueber den St. Didier nach Derby durch das Aosta-Tal. Das Rad kam huckepack, und wir fuhren zusammen im Auto Richtung Lago Maggiore.

Wir waren nun schon in Italien, und und bei Quincinetto verliessen wir die breite Strasse, um wieder in die Berge zu fahren. Nur gab es dort kaum Campingplaetze... Wir fanden "Campeggio de Donata". Wir liessen uns den Platz zeigen und ich streikte: ich weigerte mich, auf diesem Schotter-Untergrund zu schlafen. Und zum Klo musste man ueber die Strasse...

Stefan liess sich ueberzeugen und wir suchten nun ein Zimmer - in dieser Gegend ueberhaupt nicht einfach! Da gab es zwar ein Hotel, in den Zimmern standen eher Feldbetten, und -ueberhaupt- das Hotel sei ausgebucht (dabei war kein einziges Bett bezogen). Wir suchten weiter und kamen schliesslich nach Biella. "Na, da gibt's doch endlich was", meinte Stefan, als er am Ortseingansschild eine Tafel mit der Aufschrift "Waldorf Astoria" sah - eine Nummer zu gross fuer uns. Wir fanden dann doch noch ein sehr schoenes, elegantes Hotel: "Agora Palce Hotel". Wir versanken in einem knoechelhohem Teppich und da stand ein Bett - ein richtiges, grosses Bett! Und es gab ein Badezimmer und eine Toilette...

An diesem Abend machten wir bei sehr schoenem Wetter einen Spaziergang, besuchten eine Eisdiele und gingen zum Abendessen, um uns spaet am Abend in das wunderbare Bett zu legen - ein Erlebnis nach den Naechten auf den Schaumunterlagen im Zelt!

Was fuer ein Gluck, dass ich mich durchgesetzt hatte... In dieser Nacht ging ein Gewitter nieder, mit gewaltigen Blitzen, krachendem Donner, Sturm und Regen, wie wir es seit Jahren nicht erlebt hatten. Der Strom fiel aus, und die hoteleigene Stromversorgung schaltete sich ein. - Am Morgen beim Fruestueck erzaehlte der Kellner, dass sein Auto unter zwei entwurzelten Baeumen gelgen habe... Und wir haetten beinahe im Zelt uebernachtet...

Von hier aus begaben wir uns nun -Fahrrad huckepack- zum Lago Maggiore: schoener Campingplatz, ein schoener Abend, ein schoener Spaziergang. Um es kurz zu machen: ab 1 Uhr nachts stuerzten wahre Fluten vom Himmel und unser Zelt war reif fuer die Muelltonne.

Weiter ging es nach Bormio, von dort aus wollte Stefan das Stilfser Joch erklimmen. In einem kleinen Albergo - "Albergo Adda" - fanden wir ein Zimmer (die beiden alten Damen und der Gaertner erinnerten uns spontan an den Film "Arsen und Spitzenhaeubchen").

Stefan war fit wie ein Turnschuh. Er radelte das 2785 m hohe Stilfser Joch hoch wie im Fluge.

Durch Oesterreich fuhren wir noch am gleichen Tag zurueck bis nach Hause. Nach diesen nur 8 Tagen wuenschte ich mir den naechsten Urlaub doch deutlich angenehmer und mit etwas mehr Komfort.

Im Juni 2000 machten wir dann unsere erste Fernreise: zwei Wochen in die Dominikanische Republik.